Rockabilly
Die Geschichte des Rockabilly ist eines von mehreren Kapiteln in der Entstehungsgeschichte
des Rock'n'Roll. Weder begann mit dem Rockabilly der Rock'n'Roll, noch ist es seine wichtigste Stilrichtung. Nahezu gleichzeitig gab es überall in den USA ähnliche Entwicklungen, die unabhängig voneinander eins gemeinsam hatten: Musik von ethnischen Minderheiten erhielt, in
welcher Form auch immer, Zugang zur Musiktradition der weißenMittelklasse.
Schwarze Musiker entwickelten ihren Rhythm & Blues weiter und erlangten mehr und mehr Akzeptanz auch beim weißen Massenpublikum, nicht zuletzt durch die intensive Förderung
einflussreicher weißer Idealisten wie dem DJ Alan Freed . In Chicago, einer der Heimatstädte des Blues, gehörten dazu als Vertreter schwarzer Musikpioniere Bo Diddley und Chuck Berry , in New Orleans Fats Domino und Smiley Lewis . Zahlreiche schwarze Vocal Groups traten mit ihrem
Doowop auf den Plan, wieder waren es Weiße wie Dion and the Belmonts , die diesen Stil bald kopierten. Eine weitere wichtige Spielart des Rock'n'Roll entstand schon ziemlich früh im Norden: Inspiriert vom Bigbandsound entwickelten weiße Countrymusiker den Northern Band Style , der wegen des ebenfalls geslappten Kontrabasses häufig mit Rockabilly verwechselt wird, obwohl er nicht nur geographisch, sondern auch musikalisch in eine andere, dem Swing verwandte Ecke gehört: Im
Northern Band Style spielen das laute, zuweilen mit Soloeinlagen hervortretende Schlagzeug und die im Rockabilly nahezu unbekannten Blechbläser tragende Rollen. Die wichtigsten Vertreter des Northern Band Styles waren Freddie Bell & The Bellboys sowie Bill Haley & The Comets.
Alle diese flächenbrandartigen Erscheinungen einer frühen Jugend-Protestkultur, begleitet von hysterischen Fans und verzweifelten Eltern, warnenden Pädagogen, verängstigten Kirchenvertretern und alarmierten Politikern und die musikalischen Entwicklungen haben Spuren hinterlassen, die wir noch heute im Alltag spüren: Sie nahmen das Ende der Rassentrennung musikalisch vorweg und erleichterten die gesellschaftspolitischen Veränderungen der 60er und 70er Jahre, wie die
sexuelle Befreiung . Sie sind außerdem bis heute Ursprung und Erneuerungspool für jede Form von Rock- und Popmusik . Jedes Mal, wenn Popmusik zu kommerziell, zu seicht, zu allgemeinverträglich und sauber wurde oder sie sich zu weit von dem aggressiv-vulgären Ursprung der "Straße" entfernt hat, traten verstörende Erneuerungsbewegungen wie Mitte der 70er Jahre der Punkrock auf den Plan, die sich direkt auf den Rock'n'Roll der 50er Jahre bezogen, im Falle der Sex Pistols mit ihren Coverversionen von Eddie Cochran -Titeln sogar direkt auf den Rockabilly.
Als Spielart wurde Rockabilly sogar vom Punkrock adaptiert und als " Psychobilly " bekannt, dem immer noch beispielsweise der charakteristische Bass und meist eine entsprechende Instrumentierung zu eigen ist, der sich aber durch eine härtere Spielart und eine Punkrock-typische Attitüde auszeichnet.






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